Dienstag, Februar 12, 2019

Kondo-licious

Ich weiß, ich bin spät dran und ich springe hier auch auf den Hypetrain auf. Aaaaaaaber, eigentlich kommt mir das super gelegen. Ja, ich räume auch gerade nach der KonMari-Methode auf. Aber fangen wir doch mal an.


Ich habe zwei Monate aus dem Rucksack gelebt. 50 Liter (plus 10, die entweder für einen Schlafsack oder für Schuhe draufgingen). 9 Wochen, in denen man sich wirklich überlegen musste, was man genau wirklich in seinem Leben braucht. Und ganz ehrlich, das war eine tolle Erfahrung, denn mal Butter bei die Fische: kein Mensch braucht 200 Tshirts. Oder 20 Röcke. Oder 50 Schlüpfer. Nee, alles, was ich brauchte, habe ich hier reingepackt und war auch eigentlich für jedes Wetter gerüstet - außer für Winter, aber ich wusste ja auch, dass immer mindestens 20°C sein würden. Ich habe auch zum Ende hin viel weggeworfen: 1 Paar Schuhe, 3 Hosen, 4 Shirts, etwa 10 Unterhosen, 1 BH, 1 Kleid. Ich vermisse die Klamotten auch nicht.

Deshalb kam ich nach Hause und hatte nur noch einen Pulli und eine dicke Winterjacke, die bereitlagen. Wie lange kommt man dann mit seinen zurückgebrachten Sachen aus? Die Antwort ist: ziemlich lange. Und da kam mir dann doch der Gedanke, dass ich viel zu viele Sachen besitze, über die ich nicht einmal nachdenke, wenn ich sie nicht sehe.

Wieso habe ich so viele Sachen gehortet? Das kann ich euch sagen: ich war unglücklich. Ich glaube, ich habe erst angefangen so viele Sachen zu kaufen, als ich einen Job hatte, der mich nicht glücklich gemacht hat. Ich bin regelmäßig zu Primark et al. gefahren und habe Sachen gekauft, die ich nicht brauchte, weil ich glücklich war, wieder etwas Neues in meinen Schrank zu stecken - und dann nicht wieder anzuschauen. Komplett sinnlos.

Und weil mein Freund uns immer wieder darüber streiten, wo was hingehört und wie was zusammengelegt wird, kam uns Netflix gerade recht. Tatsächlich befanden wir beide, dass Marie Kondo ein paar gute Ideen hatte, die wir auch in unserem Haushalt umsetzen wollen. Ich hatte ja schon vor unserer Abreise angefangen, gnadenlos auszusortieren und allerlei Sachen in Tüten und Boxen zu stecken. Ich habe damals schon etwa 10 Säcke voll Klamotten entsorgt, davon waren aber 80% nicht meine Sachen. Also habe ich mir jetzt einfach mal alles, was ich besitze, vorgenommen, habe sie aufs Bett gestapelt und dann sortiert. Und das war wirklich, wirklich hart. Es gab vielleicht 10, 20 Teile, die wirklich "Joy sparken", der Rest war so meh. Im Endeffekt konnte ich trotzdem nicht so viel loslassen, wie ich wollte, einfach, weil ich es wirklich schade drum finde. Ich war ja jetzt sogar dort, wo die Klamotten hergestellt werden und ich weiß auch, wie diese Leute leben und deshalb ist es nicht ok, ungetragene Sachen einfach wegzuwerfen. Am Ende sind trotzdem 6 Säcke entstanden, die entsorgt wurden und ein großer für Teile, die verkauft werden können. Aber zumindest funktioniert es und wir haben jetzt einen schön aufgeräumten Schrank. Mein Freund ist sogar noch mehr Hardcore und nutzt nur noch die Sachen, die er in seinem Rucksack hatte.



Aber nun zu meiner persönlichen Challenge. Der Schrank ist trotzdem voll. Zwar nicht optimal genutzt, aber voll. Und ich brauche auch nicht mehr. Daher habe ich mir vorgenommen, dieses Jahr GAR NICHTS zu kaufen, außer, es muss dringend sein. Daran glaub ich aber eher weniger. Nun ist schon Mitte Februar und noch habe ich nichts gekauft. Darauf bin ich auch extrem stolz. Mal schauen, ob ich durchhalte. :D

Montag, Februar 04, 2019

Being 30

Maaaaaaaaaann,

also nachdem mein Bloggerdasein ziemlich eingeschlafen ist - und ich weiß wohl auch an welchem Punkt etwa - komme ich mal wieder zurück. Back to the basics also. So beim Durchscrollen bin ich mal auf einen tollen Eintrag gestoßen, den ich vor nunmehr über 10 Jahren gemacht habe und leider habe ich den richtigen Zeitpunkt nicht erwischt (ich war an diesem Tag leider leider schwer beschäftigt, meinen Urlaub zu genießen), um darauf Bezug zu nehmen, deshalb kommt das jetzt. Da habe ich nämlich folgendes geschrieben:
Mein 20. Post und das an meinem 20. Geburtstag. So. Was soll ich jetzt sagen, irgendwie fängt etwas neues an und etwas altes hört auf. Aber ich weiß nich so recht. Rückblickend würde ich sagen, war meine Zeit als Teen ein einziger Horror. Zumindest war es bis ich 18 war nicht besonders schön und ich hab das Leben wohl erst vor 2 Jahren wirklich entdeckt. Ich kann nicht behaupten, dass es ziemlich scheiße gewesen wäre, aber so megatoll auch nicht. Trauere verpassten Chancen hinterher, die ich hätte nutzen sollen. Bin nicht ganz zufrieden mit mir. Vorraussehend kann ich nur behaupten: vielleicht wird das jetzt die beste Zeit meines Lebens! Man kann nicht behaupten, dass die Zwanziger schlechter wären, schätze, sie sind sogar noch besser. Zeit um große Pläne zu schmieden, die man unbedingt gerne in die Tat umsetzen möchte. Oooooooh, es gibt schon einige Dinge, die ich gerne tun möchte und ich genieße meine riesige Freiheit. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt! ;) Bin eigentlich zufrieden an der Stelle, an der ich jetzt bin. Könnte besser sein - aber auch schlechter. Immer so sehen, also auf die nächsten 10 Jahre, denn dann bin ich wirklich alt. o.O
Richtig. So lange ist das schon her. Jetzt bin ich tatsächlich 30. Haha, und immer noch genauso bekloppt, wie damals. Oder?
Lassen wir das doch mal Revue passieren. Tatsächlich stimme ich zu, meine 20er waren wesentlich besser als meine Teenie-Zeit. Wobei ich sagen muss, dass mit viel Freiheit auch viel Verantwortung kommt und das nicht immer etwas tolles sein mag. Ich bin insgesamt "nur" 5 mal umgezogen (in Dresden, vorübergehend weg von dort, wieder zurück in die Wohnung, nach Chemnitz und in Chemnitz) und halte es in meiner jetzigen Wohnung immerhin schon fast 6 Jahre aus. Aber ich denke mal, nicht mehr lange.
Ich habe die Uni beendet, sogar später als gedacht, aber immerhin habe ich mich trotz vieler schlafloser Nächte und Gedanken durchgemogelt. Oder erfolgreich absolviert, das trifft zumindest die Zeit im Master eher.
Gab es verpasste Chancen? Sicher. Aber ich will denen eben nicht hinterhertrauern, denn das bringt nichts. Ich habe mich oftmals entschieden, meinen Weg zu gehen und damit bin ich auch zufrieden. Große Pläne habe ich sicher geschmiedet und auf das Ziel hingearbeitet. Tolle Menschen kennengelernt und wieder aus den Augen verloren. Andere sind geblieben. Ich hatte schon zu Anfang meines Arbeitslebens den Job, den ich wollte, nur das Umfeld stimmte nicht wirklich. Im Allgemeinen denke ich, dass wir an der Uni das Berufsleben zu heroisch stilisiert haben - da arbeitet man dann in nem großen Konzern und scheffelt das große Geld. Am Gehalt hat's für mich nicht gemangelt, aber an meiner Zufriedenheit und in letzter Zeit vor allem meiner mentalen Gesundheit. Man ist dann doch nach 6 Monaten ernüchtert, dass man einfach gar nichts erreicht, dass man Ideen hat, die die Firma voranbringt und am Ende wieder abgeschmettert wird. Schlimmer noch, wenn man in einer Bude landet, deren Chef das größte, sadistische Arschloch aller Zeiten ist und man irgendwann nur noch aufwacht und anfängt zu heulen, weil man heute nicht schon wieder fertig gemacht werden will. Inzwischen weiß ich, dass das alles nur eine tolle Fassade ist und jungen Menschen erzählt wird, wie toll es erstmal wird, wenn man sein eigenes Geld macht. Ich glaube, ich kenne keinen Menschen in meinem Freundeskreis, der sich nicht über irgendetwas beschwert, was seinen Job angeht. Ich durfte dagegen Leute kennenlernen, die sehr wohl glücklich und zufrieden sind, seit sie ihren sicheren Job gekündigt haben und nun durch die Welt reisen, selbstbestimmt Geld machen, mit dem, was sie lieben - zum Beispiel als Tauchlehrer auf Bali. Sage ich jetzt, dass ich meine Zeit vergeudet habe? Nicht wirklich. Ich möchte dem Ganzen noch eine Chance geben, denn eigentlich liebe ich das, was ich mache. Aber nicht für menschlichen Abschaum, der seine Mitarbeiter nicht zu schätzen weiß. Denn wie das geht, habe ich schon erfahren und da brauch niemand anzukommen und einem sagen: "So rau geht es nun mal zu, da musst du die Zähne zusammenbeißen." Nein, mein Lieber, ich möchte gefordert aber auch gefördert werden und nicht arbeiten, damit du meine Ideen als deine verkaufen kannst und sonst nach unten trittst.
Am Ende ist das alles ein nicht endender Prozess der Selbstverbesserung, den man durchläuft. Wer weiß schon, in 10 Jahren schaue ich auf diesen Post und denke, wie naiv ich doch damals war. Aber Träume sind dafür da, dich glücklich zu machen und Ziele, auf die man hinarbeiten soll. Bin ich zufrieden, wo ich jetzt bin? Nicht ganz und das habe ich schon an meinem Geburtstag festgestellt, aber ich habe seither einen wichtigen Schritt gemacht und die negativen Faktoren beseitigt.
10 Jahre sind eine lange Zeit und irgendwie doch nicht. Es ist viel passiert und doch sind wir fast alle immer noch die Alten geblieben. Und bitte, lasst euch nicht einreden, ihr seid mit 30 Jahren alt. Absolut nicht. Es tut zwar alles ein bisschen mehr weh als mit 20 und ich trinke nicht mehr so viel wie früher, aber ich wurde letztes Jahr mehrfach nach meinem Ausweis gefragt und auch diese Woche war sich eine Dame nicht ganz sicher, ob sie mich nicht auch in die Jugendabteilung stecken könnte. :D Mentales Alter ist eine Frage der Einstellung.
Also auf die nächsten 10 Jahre und mehr Bloggen.

Sonntag, Januar 11, 2015

Einmal reich fühlen, bitte!

Der zweite Januar in Folge ist #veganjanuary. Ja, mit dem dummen Hashtag. Letztes Jahr haben wir uns der Herausforderung gestellt und ich habe einmal gecheated, da ich auf einer Geburtstagsfeier ein Stück Kuchen gegessen habe. Aber dafür wirklich den ganzen Monat kein Fleisch. Ich musste aber feststellen, dass so eine Art Detox für den Körper wirklich gut tut. Nach der Weihnachtszeit brauche ich einfach eine Auszeit um mal wieder aus dem Fresskoma zu kommen und eine Ernährung annehmen, die sich recht viel versagt, ist die beste Art, um nicht in Versuchung zu kommen. Bevor jetzt aber gefragt wird, was man da überhaupt noch essen darf, sollte man die Frage vielleicht eher stellen, was man da eigentlich NICHT essen darf. Denn wenn man das abzieht, dann bleibt immer noch sooooooooo viel übrig und man schafft sich selbst Räume für Experimente.

Gut, darüber wollte ich nicht reden. 11 Tage und ich habe dieses Jahr leider schon 3mal gecheated. :/ Ich wollte nicht unhöflich sein, daher habe ich eine halbe Roulade gegessen, heute das Abendessen bei einer Geburtstagsfeier und dann zu einem ganz besonderen Anlass.

Mein Chef und ich hatten vor vielen Monden einen Deal gemacht und er hat sein Versprechen eingelöst. Ich hatte ihm irgendwann mal vom Essen in der Villa Esche erzählt und wir haben ausgemacht, dort Essen zu gehen, wenn ich meine Masterarbeit erfolgreich abgeschlossen hätte. Diese Woche war es dann soweit.
Zum einen: ich war noch nie in gehobenen Kreisen essen. Und ich kam mir am Anfang ein bisschen deplaziert zwischen all den Geschäftsmännern vor, aber mein Chef und sein schicker Anzug hat dann ganz gut reingepasst, von daher habe ich mich nach 5 Minuten auch nicht mehr zu seltsam gefühlt. Wie ein Gentleman das auch macht, hat er das 4 Gänge Menu bestellt und den Wein ausgewählt (aus einer Karte von unglaublich vielen Weinen und ich habe 0 Ahnung). War einfach super. Ich hätte gerne ein paar Fotos vom Essen gemacht, aber so Food-Instagramer sollte man dann zu solchen Anlässen nicht sein. Daher kann ich nur beschreiben:
  • Gruß aus der Küche: Ravioli mit Peccorino und Trüffelfüllung
  • Vorspeise: Zweierlei vom Kaninchen mit Maroni und Périgord-Trüffel – ein Gedicht! Ich mag ja Maronen eigentlich gar nicht, aber die waren super angemacht. Das Zweierlei waren eine Teigtasche mit Kaninchenfleisch und eine Bouillon (so eine Art Essenz, sehr geschmacksintensiv). Ich kenne mich mit Trüffel nicht aus, aber schlecht schmeckt er nicht.
  • Zwischengang: Feldsalat mit Croûtons und Rahmdressing (eigentlich Hummersüppchen mit Cognac, aber ich esse nichts aus dem Meer) – Salat halt.
  • Hauptgang: Geschmorte Rehschulter vom Jäger Frank, Williamsbirne und Grießknödel – omg, die Birnen waren glasiert und unglaublich lecker (wir hätten auch die Stiele mitgegessen, wenn es möglich gewesen wäre ^-^), aber das Fleisch war so butterzart und nicht trocken, hatte noch nie so gutes Wild gegessen.
  • Dessert: Valrhona-Schokolade, Blutorange und Buttermilcheis – Dessert geht immer. Die Blutorangenfüllung der Schokolade war super. Hätte sogar mehr sein können.
Wenn man jetzt mal bedenkt, dass solche Schickimicki-Essen immer verschrien sind als mehr Schein als Sein und zu wenig auf dem Teller sei – nein, absolut nicht. Ich war angenehm satt und wir saßen auch sicher länger als 3 Stunden dort. Qualität statt Quantität, muss ich wirklich sagen. Dafür würde ich gerne mehr bezahlen.
Nachdem ich ja schon als Apperetiv einen Riesling hatte und wir dann eine ganze Flasche Wein bestellt haben (den ich zu 2/3 allein getrunken hatte), sind wir danach noch ins Buschfunk und haben nen Cocktail bestellt. Ha, da war ich aber dann doch ein bisschen beschwippst. ^-^

Aber es war ein wirklich guter Abend. Da fühlt man sich auch gleich ganz wenig nobler als man eigentlich ist. Es muss ja auch nicht immer gleich sowas sein, aber ehrlich, Essen muss einfach gut sein. Einfach ein Gedicht. Einfach etwas, was man genießt und nicht in sich reinschaufelt. Also total anders als diese bekloppten XXL-Portionen, die lieblos zusammengeschustert wurden. Essen zubereiten ist eine Kunst. Und wenn ich dann mal nicht mehr cheaten muss (so ab Februar), dann werde ich sicherlich mal anfangen, ab und zu gute Lokale zu besuchen.