Sonntag, Januar 11, 2015

Einmal reich fühlen, bitte!

Der zweite Januar in Folge ist #veganjanuary. Ja, mit dem dummen Hashtag. Letztes Jahr haben wir uns der Herausforderung gestellt und ich habe einmal gecheated, da ich auf einer Geburtstagsfeier ein Stück Kuchen gegessen habe. Aber dafür wirklich den ganzen Monat kein Fleisch. Ich musste aber feststellen, dass so eine Art Detox für den Körper wirklich gut tut. Nach der Weihnachtszeit brauche ich einfach eine Auszeit um mal wieder aus dem Fresskoma zu kommen und eine Ernährung annehmen, die sich recht viel versagt, ist die beste Art, um nicht in Versuchung zu kommen. Bevor jetzt aber gefragt wird, was man da überhaupt noch essen darf, sollte man die Frage vielleicht eher stellen, was man da eigentlich NICHT essen darf. Denn wenn man das abzieht, dann bleibt immer noch sooooooooo viel übrig und man schafft sich selbst Räume für Experimente.

Gut, darüber wollte ich nicht reden. 11 Tage und ich habe dieses Jahr leider schon 3mal gecheated. :/ Ich wollte nicht unhöflich sein, daher habe ich eine halbe Roulade gegessen, heute das Abendessen bei einer Geburtstagsfeier und dann zu einem ganz besonderen Anlass.

Mein Chef und ich hatten vor vielen Monden einen Deal gemacht und er hat sein Versprechen eingelöst. Ich hatte ihm irgendwann mal vom Essen in der Villa Esche erzählt und wir haben ausgemacht, dort Essen zu gehen, wenn ich meine Masterarbeit erfolgreich abgeschlossen hätte. Diese Woche war es dann soweit.
Zum einen: ich war noch nie in gehobenen Kreisen essen. Und ich kam mir am Anfang ein bisschen deplaziert zwischen all den Geschäftsmännern vor, aber mein Chef und sein schicker Anzug hat dann ganz gut reingepasst, von daher habe ich mich nach 5 Minuten auch nicht mehr zu seltsam gefühlt. Wie ein Gentleman das auch macht, hat er das 4 Gänge Menu bestellt und den Wein ausgewählt (aus einer Karte von unglaublich vielen Weinen und ich habe 0 Ahnung). War einfach super. Ich hätte gerne ein paar Fotos vom Essen gemacht, aber so Food-Instagramer sollte man dann zu solchen Anlässen nicht sein. Daher kann ich nur beschreiben:
  • Gruß aus der Küche: Ravioli mit Peccorino und Trüffelfüllung
  • Vorspeise: Zweierlei vom Kaninchen mit Maroni und Périgord-Trüffel – ein Gedicht! Ich mag ja Maronen eigentlich gar nicht, aber die waren super angemacht. Das Zweierlei waren eine Teigtasche mit Kaninchenfleisch und eine Bouillon (so eine Art Essenz, sehr geschmacksintensiv). Ich kenne mich mit Trüffel nicht aus, aber schlecht schmeckt er nicht.
  • Zwischengang: Feldsalat mit Croûtons und Rahmdressing (eigentlich Hummersüppchen mit Cognac, aber ich esse nichts aus dem Meer) – Salat halt.
  • Hauptgang: Geschmorte Rehschulter vom Jäger Frank, Williamsbirne und Grießknödel – omg, die Birnen waren glasiert und unglaublich lecker (wir hätten auch die Stiele mitgegessen, wenn es möglich gewesen wäre ^-^), aber das Fleisch war so butterzart und nicht trocken, hatte noch nie so gutes Wild gegessen.
  • Dessert: Valrhona-Schokolade, Blutorange und Buttermilcheis – Dessert geht immer. Die Blutorangenfüllung der Schokolade war super. Hätte sogar mehr sein können.
Wenn man jetzt mal bedenkt, dass solche Schickimicki-Essen immer verschrien sind als mehr Schein als Sein und zu wenig auf dem Teller sei – nein, absolut nicht. Ich war angenehm satt und wir saßen auch sicher länger als 3 Stunden dort. Qualität statt Quantität, muss ich wirklich sagen. Dafür würde ich gerne mehr bezahlen.
Nachdem ich ja schon als Apperetiv einen Riesling hatte und wir dann eine ganze Flasche Wein bestellt haben (den ich zu 2/3 allein getrunken hatte), sind wir danach noch ins Buschfunk und haben nen Cocktail bestellt. Ha, da war ich aber dann doch ein bisschen beschwippst. ^-^

Aber es war ein wirklich guter Abend. Da fühlt man sich auch gleich ganz wenig nobler als man eigentlich ist. Es muss ja auch nicht immer gleich sowas sein, aber ehrlich, Essen muss einfach gut sein. Einfach ein Gedicht. Einfach etwas, was man genießt und nicht in sich reinschaufelt. Also total anders als diese bekloppten XXL-Portionen, die lieblos zusammengeschustert wurden. Essen zubereiten ist eine Kunst. Und wenn ich dann mal nicht mehr cheaten muss (so ab Februar), dann werde ich sicherlich mal anfangen, ab und zu gute Lokale zu besuchen. 

Samstag, Januar 03, 2015

Was macht man mit so viel Freizeit?

Wie ich schon erwähnt habe, bin ich mit dem Studium fertig. Ja, ich habe seit 1,5 Wochen auch endlich mein zweites Abschlusszeugnis in der Hand. Ich fühle mich geehrt. Ich bin jetzt offiziell Master auf einem Fachgebiet (höhö). Und damit endet mein 20 Jahre langer Weg der Bildung.

20 Jahre, wow das klingt so viel! Dabei ist es doch so wenig. Im ersten Moment fühlt es sich gut an, doch dann wird man unsicher. Bisher hat man immer auf ein bestimmtes Ziel hingearbeitet, seien es die nächsten Ferien, das Halbjahreszeugnis, das Abitur oder die nächste Prüfungsphase erfolgreich abzuschließen. Man wusste stets, was die nächste Hürde war, die man nehmen musste. Es war, als müsse man einen Gipfel erklimmen, um dort endlich die Aussicht genießen zu können. Aber wenn man das geschafft hat, was kommt dann?


Ich bin jemand, der gerne lernt. Das klingt unglaublich, aber dem ist so. Ich setze mich zwar wirklich nicht gerne vor die Bücher und büffel für eine Prüfung, aber wenn ich mich in ein Fach reinarbeite, dann wird es meistens doch interessant. Ich lerne gerne mal ne Handarbeit, ne neue Sportart oder einfach was über die Welt. Manche Leute halten mich für bescheuert, aber ich bin eben niemand, der gerne Spezialist auf einem Fachgebiet ist. Das langweilt mich. Ich bin eher jemand, der Ahnung von allem hat, nicht allzu tiefgründig, aber trotzdem soweit, dass ich sicher in der Ausführung bin.

Jedoch, und das muss ich jetzt dazu sagen, jetzt wo ich nicht mehr für Prüfungen, Klausuren oder ähnliches lernen muss, wo ich keine Hausarbeiten mehr schreiben muss oder mich in Teams zusammen um Fallstudien kümmern muss, jetzt habe ich endlich die Zeit, mich auf das zu konzentrieren, was mich wirklich interessiert und aus Gründen der Aus- und Weiterbildung immer den Kürzeren ziehen musste. Jetzt ist die Zeit, um wirklich tief in die Hobbys reinzugehen. Wenn einem nicht mehr das schlechte Gewissen plagt, dass man noch keine Zeit für die Schule/Uni investiert hat. Weil man einfach nach Hause kommen kann und sich keine Gedanken mehr machen muss (zumindest sollte das so sein).

Vielleicht kann ich endlich das Geld zusammenkratzen und die Klavierstunden nehmen, die ich schon immer nehmen wollte. Vielleicht kann ich auch endlich wieder nähen oder einem Sportverein beitreten. Für manche Sachen ist man nie zu alt. Aber man wird es, wenn man aufhört zu lernen.

Der dumme Brauch mit den Vorsätzen fürs neue Jahr

Wieso tut man sich das eigentlich an? Nicht nur, dass ich Silvesterfeiern abgrundtief hasse und das letzte Mal daran wirklich Spaß hatte ich 2004 glaub ich (alles was danach kam, war entweder kalt und sinnlos oder mit extremen Reisestrapazen verbunden oder langweilig), aber dann wird man gefragt:

Und? Was nimmst du dir fürs neue Jahr vor?

What? Jetzt mal ehrlich, ihr könnt noch so viel labern, von einem Tag auf den nächsten passiert nicht viel. Du kannst gerne dein Leben um 180° drehen. Aber meistens verpennst du eh den 01.01. Und dann ist der gute Vorsatz meist dahin.
Wenn du unbedingt ein besserer Mensch werden willst, dann warte nicht auf das neue Jahr, sondern fange einfach ab den Moment an, ab dem du entscheidest, dass du etwas in deinem Leben ändern musst. Es bringt nichts, auf ein bestimmtes Datum zu warten und zu glauben, dass das die magische Zahl ist, die all dies umsetzen kann.

Natürlich antworte ich auf diese dumme Frage. Aber um ehrlich zu sein weiß ich seit mehr als 10 Jahren, dass man sich meistens eh nicht dran hält. Das hat glaub ich auch noch nie jemand wirklich getan. Letzten Endes kann ich nur mein Bestes geben. Daher gehe ich dieses Jahr kleine Schritte:
  • meine Oma einmal im Monat besuchen
  • die Spülmaschine sofort ein- und ausräumen
  • meine InDesign- und Illustrator-Kenntnisse verbessern
  • den 108-Tage-Masterplan durchziehen
So und jetzt seid ihr dran! Egal, ob ihr heute anfangt oder morgen oder erst im Februar. Tut es.